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Evakuierung in Paderborn - Das Edith-Stein-Berufskolleg öffnet für Hilfebedürftige die Türen

     

Am Sonntag, dem 08.04., mussten in Paderborn über 26.000 Menschen evakuiert werden. Das Edith-Stein-Berufskolleg war sofort bereit, seine Türen für hilfsbedürftige Menschen zu öffnen und fand beim Dompropst Monsignore Göbel spontan ein offenes Ohr. Der Dompropst stellte über Bürgermeister Michael Dreier den Kontakt zur Einsatzleitstelle her. Schnell war klar, dass das Edith-Stein-Berufskolleg für die Unterbringung und Versorgung hervorragend geeignet sein würde.

Nach detaillierten Planungen entschied die Leitstelle, Menschen, die in häuslicher Pflege wohnen, im Edith-Stein-Berufskolleg unterzubringen. Insgesamt hatten sich 80 Personen hierfür gemeldet. Bereits am Samstag wurden zwanzig Pflegebetten aus dem Kreis Lippe gebracht; zusätzlich wurden noch zehn Feldbetten geliefert.

Sonntags ab 6:30 Uhr trafen die Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen (Malteser, Johanniter, DRK) sowie vom THW und der Feuerwehr ein. Die Einsatzleitung wies alle Helferinnen und Helfer in die Örtlichkeiten ein. Um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen, wurden klare Zuständigkeiten für Pflege/Sanitätsdienst, Sicherung/Versorgung/Einweisung und Betreuung mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten gebildet. Dabei erwiesen sich die mehrfach erprobten hierarchischen Strukturen der Hilfsorganisationen als sinnvoll; auch die „zivilen“ Hilfskräfte (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeiter des Edith-Stein-Berufskollegs) fanden sich schnell in dem System gut eingebunden.

Gegen 8:15 Uhr brachten Krankentransportwagen die ersten Hilfsbedürftigen. Nach logistischer Erfassung der Namen mit Privatanschrift und ggf. Begleitperson sowie Einschätzung des Unterstützungsbedarfes erfolgte durch die Hilfskräfte eine Unterbringung entweder im Pflegebereich (das Forum war mit 20 Pflegebetten zur Pflegestation umgerüstet worden) oder in der Cafeteria. Den ganzen Tag über kümmerten sich Notfallseelsorger, Rettungssanitäter, Pflegekräfte und Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte um die „Bewohner“. Hier war insbesondere das Gespräch gefordert. Fragen wie „Wann komme ich zurück?“ „Was passiert, wenn…?“ „Meine Haustiere …“ „Ich bin jetzt schon so lange hier, ich will nach Hause“, … erforderten von den Betreuerinnen und Betreuer immer wieder Aufmerksamkeit, Geduld und Empathie. Spontan organisierte Gebetseinheiten im Raum der Stille, Gesellschaftsspiele, Gitarrenmusik und kleine Spaziergänge im Außengelände sorgten für eine lockere und angenehme Atmosphäre. Bürgermeister Michael Dreier und Dompropst Monsignore Joachim Göbel überzeugten sich persönlich vom Wohl der Bewohner und der großen Einsatzbereitschaft aller Helferinnen und Helfer.

Die ärztliche Versorgung war durch einen Arzt, Rettungssanitäter und Krankenpflegefachkräfte sicher gestellt. Um die Verpflegung kümmerte sich die Versorgungseinheit der Malteser; eine warme Mittagsmahlzeit wurde von der Karl-Hansen-Klinik abgeholt.

Um 17:10 Uhr waren alle froh, als die Nachricht von der Bombenentschärfung eintraf. Der gut vorbereitete Rücktransport setzte danach unmittelbar ein. Als gegen 19:30 Uhr alle Bewohner das Edith-Stein-Berufskolleg wieder verlassen hatten, war für die Helfer noch lange nicht Schluss. Abrüstarbeiten, Aufräumen und Desinfektion der Räumlichkeiten dauerte noch bis 21:00 Uhr. Abschließend dankte die örtliche Einsatzleitung allen Helferinnen und Helfern und hob das hervorragende Miteinander und die sehr gute Zusammenarbeit hervor.

Schulleiter Wilfried Lappe war froh, dass am darauffolgenden Montagmorgen der Unterricht wieder seinen normalen Betrieb aufnehmen konnte.

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Hinweise zu den Fotos:

Dompropst Monsignore Joachim Göbel überzeugt sich persönlich vom Wohl der Bewohner
auf dem Foto: Hildegard Giefers mit der Helferin Beatrix Piel (Johanniter) und dem Helfer Sebastian Feldmann (Malteser)

Christa Yasar und die Schülerin Kathrin Berenspöhler beim Kartenspiel

Einrüsten des Pflegebereiches mit 20 Pflegebetten, abgetrennt durch Sichtschutz, im Hintergrund Studierende der Heilerziehungspflege-Ausbildung

Regelmäßige Lagebesprechungen sicherten den reibungslosen Ablauf, gerade trifft die Nachricht von der Bombenentschärfung ein, der Rücktransport der Bewohner wird besprochen

Die KTW-Wagenkolonne steht schon für den Rücktransport bereit