Namenspatronin Edith Stein

Das Leben Edith Steins

Ausfhrlicher Lebenslauf

  

 

 

Die „kluge Edith“, wie sie von Verwandten genannt wird, wächst in einer Atmosphäre auf, die von der gläubigen, gesetzestreuen Religiosität der Mutter geprägt ist. Das Mädchen besucht für einige Jahre das Gymnasium, bricht allerdings diese Schulausbildung mit vierzehn Jahren eigenmächtig ab. Die Heranwachsende beginnen weltanschauliche Fragen zu beunruhigen, sie bekommt Glaubenszweifel und empfindet sich als Atheistin.  „Ich habe mir das Beten ganz bewusst und aus freiem Entschluss abgewöhnt.“

Sie geht nach Hamburg zu ihrer dort verheirateten Schwester, kommt jedoch nach einem Jahr zurück und nimmt Privatunterricht, um das Verpasste aufzuholen.

Sie gilt als hochbegabte Schülerin und erlangt Höchstprädikate. (Dennoch schreibt sie: „Ich wusste von den ersten Lebensjahren an, dass es viel wichtiger sei, gut zu sein als klug.“

 

1911 legt sie – nachdem sie drei Jahre das Obergymnasium der  Victoria  Schule in Breslau besucht hat - ein glänzendes Abitur ab und immatrikuliert sich an der Universität zu Breslau in den Fächern Psychologie, Germanistik und Geschichte.

1913 wechselt sie zur Universität in Göttingen und belegt die Fächer Philosophie, Geschichte und Germanistik. Mit großem Ernst hat sie ihre Berufswahl getroffen, sie will vor allem Philosophie studieren. „Wir sind auf der Welt, um der Menschheit zu dienen. Das kann man am besten, wenn man das tut, wozu man die geeigneten Anlagen mitbringt.“

 

In Göttingen trifft sie Edmund Husserl, den Begründer der „Phänomenologie“, die lehrt, Alltagserfahrungen auf den Grund zu gehen.

Begegnungen mit verschiedenen Philosophen - wie Husserl, Reinach, Scheler, u.a. – bringen ihr die Welt des Glaubens von neuem in Sicht; sie vermitteln ihr den Sinn für das Transzendente, für religiöse Erfahrungen und Entscheidungen. „Es war wie ein erster Blick in eine ganz neue Welt.“

Weitere Jahre des Suchens folgen; schmerzliche Lebenserfahrungen lassen sie innerlich wachsen.

1915 besteht sie ihr Staatsexamen in philosophischer Propädeutik, Geschichte und Deutsch. Danach geht sie sofort als freiwillige Rot-Kreuz-Helferin in ein Seuchenlazarett an der Ostfront.

Nach Breslau zurückgekehrt, absolviert sie ein Lehrerreferendariat, bis sie 1916 mit Edmund Husserl, der einen Ruf an die Freiburger Universität erhalten hat, nach Freiburg geht, um dessen Assistentin zu werden. Hier promoviert sie noch im gleichen Jahr zum Dr. phil. mit „summa cum laude“.

Nach ihrem Abschied von Freiburg 1918 hält sie sich mehrfach in Breslau und Göttingen auf, wo sie sich - erfolglos, da sie als Frau keine Möglichkeit dazu bekommt - zu habilitieren versucht.

1920 ist sie wieder zu Hause in Breslau; hier hält sie Vorlesungen an der Volkshochschule  und gibt privat philosophische Kurse.

Edith befindet sich in einer seelischen Krise, sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. In dieser Lebenssituation fällt ihr 1921 die Lebensbeschreibung der heiligen Teresa von Avila in die Hände. Sie liest das Buch in einer Nacht durch und erkennt für sich: „Das ist die Wahrheit“.

 

Sie entschließt sich zu konvertieren. Am 1. Januar 1922 wird sie getauft und in die katholische Kirche aufgenommen.

 

Durch Vermittlung des Speyrer Generalvikars wird sie Lehrerin bei den Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer, wo sie bis 1931 unterrichtet.

Auch während ihrer Schultätigkeit beschäftigt sie sich  weiter mit Übersetzungen und philosophischer Arbeit, bis sie 1931 ihre Lehrerinnenstelle aufgibt und neue Versuche unternimmt, sich zu habilitieren. Als Frau bekommt sie hierzu aber wieder keine Chance. Nachdem sich auch andere Aussichten auf eine wissenschaftliche Tätigkeit zerschlagen haben, nimmt sie 1932 ein Angebot, als Dozentin am Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster zu arbeiten, an.

 

In den vorangegangenen Jahren ist sie als Rednerin auf pädagogischen Studientagen und Kongressen im In- und Ausland ( Prag, Wien, Salzburg, Paris......) bekannt geworden und hat viel Anerkennung erfahren.  „Es ist im Grunde immer eine kleine, einfache Wahrheit, die ich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“

 

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, verliert sie ihre Stellung.

 

Schon kurz nach ihrem Glaubenswechsel äußert sie den Wunsch, Karmelitin zu werden. Freunde und Bekannte raten ihr jedoch zunächst davon ab. Auch mit Rücksicht auf ihre Mutter, der schon die Taufe fast das Herz gebrochen hat, verschiebt sie ihren Plan immer wieder.

Am 14. Oktober 1933 tritt sie aber dann in den Kölner Karmel ein, nachdem sich ihr eigentliches Leben mehr und mehr nach innen gesammelt hat. Am 15. April 1934 wird sie eingekleidet und wählt den Namen „Teresia Benedicta a Cruce“. „Ich bin jetzt an dem Ort, an den ich längst gehörte.“ .

Am 21. April 1938 werden die Ewigen Gelübde von Schwester Benedicta vom Kreuz abgelegt. Sie hat sich diesen Namen erbeten, weil sie unter dem Kreuz das Schicksal des jüdischen Volkes versteht, das sich abzuzeichnen beginnt. Sie will es stellvertretend für viele auf sich nehmen.

Nach der Reichspogromnacht im November bittet sie um ihre Versetzung, da sie spürt, dass die Situation für sie und ihre Mitschwestern im Karmel durch ihr Bleiben gefährlich wird.  Sie wird in den Karmel nach Echt in Holland gebracht. Auch ihre Schwester Rosa, die ebenfalls katholisch geworden ist, findet hier Zuflucht.

Als Deutschland die Niederlande besetzt, ist auch dort der Aufenthalt nicht mehr sicher. Daher versucht Edith für sich und ihre Schwester eine Ausreise in die Schweiz zu organisieren.

Nachdem die niederländischen Bischöfe öffentlich gegen die Judendeportationen protestiert haben, nimmt die SS Rache.

Edith Stein und ihre Schwester sind – wie viele andere - davon betroffen.

 

Am 2. August 1942 werden die beiden Frauen von der Gestapo verhaftet und zum Sammellager Westerbork gebracht, von wo aus sie am 7. August nach Auschwitz deportiert werden.

Am 9. August 1942 erreicht ihr Zug Auschwitz–Birkenau. Im Ankunftsregister ist Edith Stein nicht eingetragen. Sie muss sofort durch Giftgas ermordet worden sein.

 

Am 1. Mai 1987 wird Edith Stein durch Papst Johannes Paul II. in Köln selig gesprochen und elf Jahre später – am 11. Oktober 1998 – findet in Rom durch Papst Johannes Paul II. ihre Heiligsprechung statt.

 

Papst Johannes Paul II nennt Edith Stein anlässlich ihrer Seligsprechung „eine herausragende Tochter Israels, zugleich Tochter des Karmels, Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz, eine Persönlichkeit, die eine dramatische Synthese unseres Jahrhunderts in ihrem Leben vereint.“